Spielend einfach?

 

Spielen im Rückblick

Evolutionär gesehen ist Spielen die Vorbereitung auf das spätere Leben. Im Tierreich beobachten wir Spielen bei so gut wie jeder Säugetierart.

Spielen besteht aus verschiedenen Verhaltenskreisen. Der wohl größte ist das Jagen. Besonders Beutegreifer spielen im jungen Alter sehr häufig. In den Verhaltenskreis "Jagen" gehört unter anderem das Anpirschen, das Hetzen, das Überwältigen und das letzendliche Töten. Beim Spielen ist dies in abgeschwächter Form zu beobachten. Auch beim heutigen Haushund erkennen wir Verhaltensweisen aus dem Verhaltenskreis "Jagen" wieder. Bei Wildtieren sehen wir im späteren Lebensverlauf nur noch selten dass sie miteinander spielen.

Warum aber spielen unsere Haustiere noch bis ins hohe Alter miteinander und mit uns?
 

Unsere Haustiere - Die jung gebliebenen Wildtiere

Katze, Hund, Kaninchen und co. beobachten wir auch noch im hohen Alter beim Spielen. Doch warum ist das so? Evolutionär gesehen sind besonders Hund und Katze sogenannte  "stark fetalisierte" Tiere. Das bedeutet sie sind vom Kopf her auf dem Stand eines jungen WIldtieres. Rückblickend betrachtet war das der Grund für eine erfolgreiche Domestikation.


Spielen einfach weil es Spaß macht!

Unsere Hunde spielen: kurz gesagt - einfach weil es Spaß macht. Spielen schüttet Adrenallin und Endorphine aus, dies bildet einen Hormoncocktail der den Hund einfach glücklich macht. Das Spielen mit Artgenossen sorgt außerdem dafür, dass der Hund eine soziale Kompetenz lernt und ein sogenanntes "Selbsthandycap".

Ein Selbsthandycap bezeichnet die Anpassung des Spielverhaltens an den Spielgefährten. Ein Großer Hund der mit einem kleinen Hund spielt wird sich wahrscheinlich hinlegen oder nicht so schnell rennen um dem Gegenüber ein schönes Spiel zu ermöglichen.


Woran erkenne ich Spiel?

Grundsätzlich ist Spielen eine Handlung aus einem Verhaltenskreis ohne Endhandlung.

Spiel ist übertrieben, motorisch oftmals unkontrolliert und wird immer so ausgeführt, dass alle Parteien mit spielen können. Besonders bei Jagdspielen wechseln die Rollen zwischen Jäger und gejagtem stetig hin und her.

Es gibt verschiedene Arten von Spiel. Das klassische Jagdspiel, das bodennahe Beißspiel und das Kampfspiel welches eine Mischung aus dem Jagdspiel und dem Beißspiel ist. Wichtig ist, dass beim Beißspiel niemals wirklich zugebissen oder sogar gerissen wird. Oftmals kann man beobachten, dass bestimmte Rassen eine besondere Spielart favorisieren und im Sinne der Interessengemeinschaft lieber mit Rassepartnern spielen möchten. Dies ist sehr oft bei Hütehunden und Molossern zu sehen.

Manche Hunde (besonders Gruppen) neigen dazu vom Spielen ins Mobbing über zugehen. Dies sieht man oft bei Gruppen wo sich einige Hunde schon kennen und neue hinzu kommen. Ebenso wie es Hunde gibt die bewusst Schwachpunkte bei Spielpartnern erkennen und diese dann zu ihrem eigenen Vorteil nutzen (Rammeln, Jagen ohne Rollentausch usw.). Beobachten SIe so etwas bei Ihrem eigenen Hund sollten Sie ihn aus der Gruppe raus nehmen und später wieder versuchen zu integrieren.


Spielen mit dem Menschen

Wir Menschen haben unsere eigene Art mit unserem Hund zu spielen. EInige Hunde lieben es Bälle zu holen, andere Hunde mögen Suchspiele, andere wiederum bevorzugen den Kampf mit Zieh und Zerrseilen.

Wozu auch immer Ihr Hund neigt versuchen Sie im gemeinsamen Spiel Grenzen und Regeln zu setzen. Oftmals sehe ich, dass Menschen sehr stark auf die Ebene des Artgenossen als Spielpartner gehen. Hierbei sei zu beachten - verhalten Sie sich wie ein Artgenosse werden sie auch behandelt wie ein Artgenosse! Dies kann mitunter blaue Flecken und einige Schrammen nach sich ziehen. Auch Artgenossen zeigen Grenzen auf und setzen sich zu wehr wenn der Spielpartner doch einmal über die Strenge schlägt. Ihr Hund weis, dass Sie kein Artgenosse sind. Verhalten SIe sich daher auch nicht so.

Bei Zieh und Zerr Spielen sollten Sie etwas wichtiges beachten: Lassen SIe Ihren Hund auch mal gewinnen. Wie bereits oben erwähnt ist Spiel nur so lange ein Spiel wie niemand benachteiligt wird. Lassen SIe Ihren Hund jedes Mal verlieren, verliert er schnell die Lust am Spiel mit Ihnen. Anders als Vermutet sorgt dies nicht für dominantes Verhalten sondern eher für Bindung und Vertrauen zwischen den Spielpartnern. Denn Sie lernen Ihren HUnd besser kennen und der Hund Sie.


Weniger ist mehr - Stichwort: Balljunkie

Weniger ist manchmal mehr. Sehr oft hört man von den sog. "Balljunkies". Diese Bezeichnung trifft es genau auf den Punkt.

Ein Balljunkie ist ein Hund der übertrieben stark auf Bälle oder andere Jagdobjekte reagiert. Oftmals sieht man so ein Verhalten bei Hütehunden und Terriern. Da diese Hunde einen ohnehin schon besonders stark ausgeprägten Beutetrieb haben muss dieser nicht noch zusätzlich mit übermäßigen Ballspielen verstärkt werden. Bei der Jagd nach Ball und co. schüttet der Hund viel Adrenallin und Cortisol aus welche beide ein Stresshormon sind die das Blut verdicken, die Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen und schmerzlindernd wirken. Besonders Adrenallin kann schnell zur Abhängigkeit führen weshalb man es "junkie" nennt.

Dieser hohe Stress dem der Hund ausgesetzt wird führt schnell zu sog. Übersprungsbewegungen wie Kläffen, Kreiseln oder sogar beißen.



Allgemein lässt sich sagen, dass Spielen auf ganzer Linie wertvoll für die Mensch-Hund Beziehung ist. Durch gemeinsames Spiel lernen sich Hund und Halter besser kennen und Sie haben die Möglichkeit Ihren Hund mit gemeinsamen Spiel zu belohnen und somit gewünschtes Verhalten zu verstärken.